Perfekte Gesichter überall – und ich will nur noch weg!

Wegfliegen.

Weg von dem Lärm, den Abgasen, den Maschinen, die Menschen ersetzen. Weg von den Lügen, dem Fernseher, den Fashion Stores. Einfach weg. Wohin? Egal. Hauptsache irgendwo hin, wo es keine Egoisten gibt, keine oberflächlichen Dialoge, kein „sehen und gesehen werden“, keine Klischees. Gibt es so einen Ort?

Warum wir dran schuld sind

Das Problem ist: Wir können die Gesellschaft nicht beschuldigen. Die Gesellschaft sind wir. Der Mensch hat die Gesellschaft geschaffen. Wie kann es sein, dass der Mensch durch die Gesellschaft eingeengt wird? Wie kann es sein, dass uns Werbung so sehr manipuliert, dass wir unser ganzes monatliches Gehalt für ein paar Schuhe oder Taschen ausgeben wollen, nur, weil ein bestimmtes Logo drauf genäht ist?

Ich kann die lachenden Gesichter auf den Plakaten in der Innenstadt nicht mehr sehen. Diese strahlenden, unnatürlich weißen Zähne, leuchtende, mit Photoshop bearbeitete Augen, glänzende Haare, Wunderkinder. Ich kann die Menschen in den Bahnen nicht mehr sehen; schweißgebadet, zu dick für die Leggings, zu dünn für die Hotpants, zu normal, zu hässlich für die Hochglanzplakate. Ich kann Menschen nicht mehr sehen.

Es ist nichts Neues. Modeketten machen Kohle mit Billigware. Jährlich ein Skandal. Na, und? Trotzdem gehen mindestens fünf Millionen naive, ferngesteuerte Frauen da einkaufen, darunter auch ich, und wir denken nicht an die minderjährigen Arbeiter, wenn wir das Wort „SALE“ auf den Etiketten lesen. Wir denken nicht daran, wie das sein kann, wie diese tiefen Preise zustande kommen, weil es uns egal ist. Solange wir nicht betroffen sind, ist es uns egal. Und was egal ist, ist nicht der Rede wert. Deshalb füllen wir unsere Tüten mit T-Shirts, die  nach Giftstoffen riechen, wir füllen unsere Tüten bis sie platzen, weil es uns egal ist. Schön sein – wir denken allen Ernstes, dass wir in diesen Klamotten schön sind. Doch schöne Menschen messen sich nicht an Klamotten. Schöne Menschen messen sich an Charakter und Verhalten.

Perfekte Gesichter

Und wo man auch hinschaut, man entkommt nicht diesen Gesichtern, die uns vorgegeben werden, schönen Gesichtern, symmetrisch und glatt, rein, glänzend. Wer glaubt diesen Gesichtern schon? Der Markt wirbt mit perfekten Gesichtern für Produkte. Kein neues Thema, aber erschütternd, wenn man mal darüber nachdenkt.

Wegfliegen. Wohin nochmal? Weit, weit weg. Dort, wo man nicht hungern muss, um schlank zu sein, weil schlank ist ja schön. Das sagt unsere Gesellschaft. Dort, wo man keine Pillen nehmen muss, um seine innere Stimme auszuschalten. Dort, wo man sich nicht unters Messer legt, um so auszusehen wie die Gesichter auf den Plakaten. Denn die Gesichter auf den Plakaten entstehen am Computer, nicht in der Natur. Und der Computer schafft eigentlich keine perfekten Menschen, sondern Roboter. Denn Roboter werden nach Wünschen programmiert. Wie kann es sein, dass man heutzutage Menschen nach Wünschen umwandeln kann?

Ich frage mich, warum sich Menschen nicht einfach mal hinsetzen und nachdenken, was in ihrem Leben schief läuft. Warum der Chef immer mehr Überstunden verlangt. Warum der Partner einfach nicht mehr so toll ist wie am Anfang der Beziehung. Warum die Kleider von letztem Jahr nicht mehr passen und wo – verdammt nochmal – diese Kopfschmerzen immer herkommen. Ich glaube, dass Menschen Antworten finden können, wenn sie nachdenken. Und Antworten führen zu Veränderungen. Es ist möglich, dass irgendwann eine heile Welt existiert, wo jeder gleich viel hat. Aber es ist nicht wahrscheinlich.

Ich sehe, wie die Gesellschaft zugrunde geht. Es ist krass genug, wie schnell wir Menschen es geschafft haben, die Erde unbewohnbar zu machen. Aber ich frage mich gleichzeitig auch, wohin das alles führen soll. Wofür braucht man den Menschen noch in ungefähr hundert Jahren, in einem Zeitalter, in der die Technik mehr kann als der Mensch? Und wie werden wir leben, wenn uns die Natur zuwider ist, wenn wir Wälder, Büsche und Bäume als Hindernis sehen, wie werden wir atmen können, wo werden wir leben?

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2 Kommentare

  1. Hallo Sue,

    sehr interessanter Blog von dir :).
    Es freut mich zu sehen, dass immer mehr Menschen angefangen haben zu hinterfragen, was auf der Welt vor sich geht. Was den Menschen vorgemacht wird, was uns Menschen verkauft wird. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, sich mit allem gut auseinander zu setzen. Darüber nachdenken, was man zu sich nimmt, und was man tut. Man lernt die positiven Seiten des Lebens immer mehr zu schätzen. Und man ist sich gar nicht bewusst, wie viel besser man Leben kann, wenn man auf gewisse Konsumgüter verzichtet.

    Viele Grüße aus deiner ehemaligen Heimatstadt und eines ehemaligen guten Freundes!

    Sandro

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