Tunesien: Die Wahrheit hinter den Luxushotels

Tunesien. Ein Land voller Geschichten, die ich zu faul bin alle zu erkunden. Trotzdem sind mir bei dem Anblick des Landes ein paar Dinge in Erinnerung geblieben. Gedanken, die die meisten Menschen während des Urlaubs nicht haben.

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Angekommen in Monastir, die Luft ist schwül, es ist warm und die Sonne geht gerade unter.

 

 

 

Das Problem ist: Jeder weiß, dass es Menschen auf der anderen Seite der Welt schwieriger haben als wir. Aber ich finde, wenn man an einem stinknormalen Tag Eiskaffee schlürfend im Starbucks sitzt und sich beschwert, dass morgen wieder Montag ist und warum das WLAN hier so langsam ist, wird einem das so gar nicht bewusst.

Armut auf den ersten Blick

Ich gebe zu: Erst, als ich im Bus saß und durch die Wüste gefahren bin, vor meinen Augen Menschen, die in Hütten und Halbbauten leben, habe ich es gespürt. Dankbarkeit. Und im nächsten Moment Mitleid. Nicht dieses herablassende „Mitleid“. Sondern Mit-LEID. Ich weiß nicht, ob die Menschen dort leiden, aber wenn verschmutztes Wasser aus dem Wasserhahn kommt – und das nicht mal regelmäßig – dann kann man durchaus von Sorgen sprechen. Sorgen, die wir in Deutschland nicht kennen.

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Der Sonnenuntergang sieht im Süden ganz anders aus – atemberaubend schöne Begrüßung! Wir werden abgeholt und zum Hotel gefahren.

 

Paradies in Türkis

Die Tunesier haben eine Leidenschaft: Türen. Das Aushängeschild der Familie. Die Wohnung kann noch so verstaubt, zerbrechlich oder schief sein; solange die Türen in einem kräftigen Türkiston angemalt und aufwändig verziert sind, ist alles in bester Ordnung. Ein Statussymbol, vergleichbar mit unseren Audis und Michael Kors-Taschen? Wohl kaum.

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IMG_1827##Der Überlebenskampf

Die Bazar-Verkäufer, die von den deutschen Touristen immer als temperamentvoll und aufdringlich betitelt werden, kämpfen um jeden Cent. Selbst, wenn sie und ihre Kinder nur billige Stoffschuhe und löchrige Hosen tragen, erzählen sie uns von der Spitzenqualität von Nike-Schuhen, beraten uns bis ins letzte Detail, bis wir ihnen schließlich ihre Waren abkaufen, nur um ein besseres Gewissen zu haben, sobald wir wieder am Pool liegen. Dort, wo wir eingeladen sind, Urlaub zu machen, kämpfen Menschen jeden Tag um ihre Existenz, vielleicht nicht hungernd, aber gedemütigt von Touristen wie uns, die wir gebräunt rumlaufen, tiefenentspannt, als bräuchten wir den Urlaub mehr als diese Menschen.

Ein letzter Wunschtunesien5

Bevor wir abreisen, drückt mir ein junger Mann einen Zettel in die Hand. Sein Name steht darauf. Ich soll ihn positiv bewerten, er hatte unsere Koffer getragen und uns jeden Wunsch von den Lippen abgelesen. Er sagt: Hier kann alles morgen schon ganz anders sein, ich will meine Arbeit nicht verlieren. Und obwohl seine Arbeit darin besteht, anderen Menschen die Koffer zu tragen, ist er der glücklichste Mensch auf Erden, denn er gehört nicht zu dem Durchschnitt der Arbeitslosen in seinem Land.

 

 

 

Abschied nehmen

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Zuckersüß! Doch auch unschwer zu erkennen, welches Schicksal das kleine Kätzchen erwartet, das in einer Mülltonne das Tageslicht zum ersten Mal erblickt. 

 

 

 

Ich wünschte, ich könnte etwas gegen dieses Ungleichgewicht auf der Welt tun. Aber solange Menschen von Armut profitieren, wird es nie Gleichgewicht geben. Und so werden wir den Menschen Jahr für Jahr helfen, sich durch Tourismus über Wasser zu halten – und ihnen gleichzeitig Jahr für Jahr unter die Nase reiben, wie gut wir es doch haben, dass wir hier leben und nicht dort. Da bringt leider auch das Trinkgeld nichts, das wir ganz beiläufig auf dem Tisch liegenlassen, bevor wir in den Pool springen.

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